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HAYDAR ISIK Erinnerungen an einen vergessenen Völkermord

HAYDAR ISIK Ein vergessener Völkermord


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BİTLİS BEYİ ABDAL HAN’a GÖNDERİLEN KANLI EKMEK



Meine geraubte Heimat   Drucken  E-mail 
Hilfe für die Kinder und Jugendlichen in DersimHaydar Isik             Meine geraubte Heimat Als ich auf die Welt kam, 1937, bombardierte die türkische Regierung, in dieser Zeit Verbündete des Hitlers-Regimes, meine Heimat DERSIM (heute türk. Tunceli) und veranstaltete einen Völkermord an Kurden. Im selben Jahr bombardierte Hitler Guernica. Damals wie heute haben die fortschrittlichen Kräfte dieses Verbrechen in Guernica verurteilt; aber dass weit hinten in der Türkei ein Volk vom türkischen Militär dezimiert wurde, nahm die Welt leider nicht zur Kenntnis und auch heute ist das Massaker von Dersim kaum bekannt. Vor 70 Jahren sagte Seyid Riza (ein alevitischer geistlicher Anführer aus Dersim, der damals 75 Jahre alt war und gegen den türkischen Militarismus kämpfte), bevor er aufgehängt wurde: „Ich habe nach meinem Gewissen gehandelt. Meine höchsten Interessen galten der Freiheit meines Volkes und meiner Heimat.“ Aber immer noch ist das kurdische Volk nicht wirklich frei. Wer heute als Kurde in der Türkei lebt und aus Liebe zu seiner Heimat das Recht auf die eigene Sprache und Kultur einfordert, wird beschuldigt, Separatist zu sein. Hast du einmal diesen Stempel in deiner Akte, geräst du in einen Strudel. Da ich in Bayern lebe, bin ich der Folter entkommen, aber ich wurde von der Türkei ausgebürgert und meine Habe wurde versteigert. Heute sage ich auch, dass ich nach meinem Gewissen handle und für meine erste Heimat kämpfe. Ich betrachte als meine Heimat meine Muttersprache, meine Kultur und Identität. Weil sie mir bzw. uns Kurden geraubt worden sind, kämpfe ich auf friedlichem Wege, sie zurückzuerlangen. Die türkischen Machthaber haben mir etwas besonders Kostbares genommen, nämlich meine Muttersprache. Das ist sicherlich für einen Mann des Wortes das schlimmste Verbrechen. Nachdem die Türkei durch ihre repressive Politik die Kurden in ihrer Muttersprache zu Analphabeten machte, schrieb ich meine Bücher in der Sprache der Unterdrücker, in Türkisch, weil mir meine Muttersprache geraubt wurde und ich deshalb nicht in der Lage bin in Kurdisch Romane zu schreiben. Die Seele eines Menschen, der einmal seine Heimat verloren und als Emigrant in der Fremde leben muss, ist gespalten. Das bessere und durchaus sichere Leben hier in meiner zweiten Heimat in Bayern kann mir nicht helfen, meine eigentliche Heimat zu vergessen, obwohl ich die Berge von Bayern wie die in Dersim liebe und hier meine Familie habe (und seit vielen Jahren eine Organisation, die GEW, als geistige und solidarische Heimat sehe). Es ist selbstverständlich, dass man sein Leid und seine traumatischen Erinnerungen mit in die Diaspora nimmt. Man ist bis in die Seele verletzt, wenn man vom Tod eines Verwandten oder Freundes hört oder von der Zerstörung eines Dorfes oder der Verbrennung eines Waldes, den man kennt... Ich konnte mich von diesen Ereignissen nicht befreien. Deshalb wurde ich in der Türkei als Separatist abgestempelt und hier vor kurzem wie ein Terrorist behandelt. Mein Verbrechen ist es, dass ich über das Massaker von Dersim, in dem wir 70.000 Menschen zu beklagen haben, Bücher schreibe. Mein Verbrechen ist es, dass ich über unsere Muttersprache, die in der Türkei verfassungmäßig nicht als Erziehungs- und Unterrichtssprache in den staatlichen Schulen angeboten werden darf, schreibe. Mein Verbrechen ist es, dass ich für Brüderlichkeit, Freiheit, und Gleichheit auch für die Völker in der Türkei plädiere. Ich will die Gleichheit von Türken und Kurden. Es soll ein Kurde nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein Türke sein. Ja das ist mein Verbrechen. Meine Hilfe für Dersim Dersim ist mein Heimatort, meine Muttersprache, mein Dasein. Dersim ist meine Liebe zur Natur und zu den Menschen. Dersim ist natürlich auch mein Trauma. Ich werde immer mit meiner Kraft Dersim helfen, dass die Menschen dort freier werden, dass die Kinder nicht mein Schicksal, sondern ein besseres erleben. Deshalb gründeten wir, die Dersim-Kurden, den Verein „Dersim-Gesellschaft für Wiederaufbau e.V.„ (mehr unter www.dersim-wiederaufbau.de ), dessen Vorsitzender ich bin, der die von unseren Landsleuten erhaltenen Spenden direkt nach Dersim transferiert. Wir haben bis jetzt für die Stadt Dersim eine Baumaschine finanziert und als letztes haben wir für 20 arme Frauen ein FRAUEN-BÄCKEREI-PROJEKT geschaffen und dafür gesammelt. Die Bürgermeisterin hat dafür 70.000 € von uns erhalten. Mittlerweise wurde dieses Projekt am 10. August 2007 von Kurdinnen feierlich eröffnet. Nach einem Benefizkonzert der Wellschwestern - der „Wellküren“- und dem Verkauf meiner Bücher und der Hilfe des damaligen GEW-Vorsitzenden Schorsch Wiesmeier haben wir im Münchner Ratskeller vor den Augen vieler Menschen 5.500,- € an die Bürgermeisterin von Dersim ausgehändigt. Sie hat damit und mit Hilfe ihrer Mitarbeiter in einem von der Stadtverwaltung zur Verfügung gestellten Haus ein JUGEND-KULTUR-ZENTRUM eröffnet, in dem die Jugendlichen Bücher lesen und verschiedene Kurse – z.B. in Theater, Folklore, Musik oder Englisch – besuchen und kostenlos das Internet benutzen können. Da dieses Jugend-Kultur-Zentrum keine Staatshilfe erhielt, ist es auf unsere Hilfe angewiesen. Das Jugend-Kultur-Zentrum braucht Geld für Computer, Bücher, Büromaterial und für das Honorar der LehrerInnen. Für dieses Zentrum erbat ich Spenden statt Geschenke zu meinem 70. Geburtstag. Auf der Feier im Münchner DGB-Saal – für deren Ermöglichung ich mich bei der GEW ganz herzlich bedanke! – wurden bereits 1720 Euro gesammelt. Für weitere Spenden stellte die GEW bis Ende des Jahres ihr Solidaritätskonto bis Ende 2007 zur Verfügung („GEW Bayern, Solidaritätskonto“, Nr. 17 02 10 09 01 bei der SEB München, BLZ 700 101 11, Kennwort „Jugendkulturzentrum Dersim“). Wer weiter spenden will, kann an den Verein: Dersim-Gesellschaft für Wiederaufbau e.V. (Gemeinnützig) Postbank Dortmund Kontonummer: 687 152 466 Bankleitzahl: 440 100 46 Ihren Beitrag überweisen. Die Kinder in Dersim sind auch heute in einer bedrohten situation und müssen beführten, in Armut leben zu müssen. Wer dem Jugend-Kultur-Zentrum in Dersim hilft, hilft den Kindern, die dort durch diese Kurse ihre Persönlichkeit entwickeln und sich so in der demokratischen Welt zu integrieren können. Notizen: Haydar Isik unterrichtete als Lehrer in der Ludwig-Thoma-Realschule Türkisch. Seit 10 Jahren ist er im Ruhestand und schreibt Bücher in türkischer Sprache, die in Istanbul verlegt sind. Die Bücher : „Der Agha aus Dersim“ „Die Vernichtung von Dersim“ sind ins Deutsche übersetzt worden. Dersim: heutiger türkisierter Name ist Tunceli Er hat auch zahlreiche Romane in Türkisch: „Dersim Tertelesi“ „Dersimli Memik Aga“ „Bitlis Beyi Abdal Han`a gönderilen Kanli Ekmek“ „Serkoy`dan Sultan Selahaddin Eyyubi`ye“ Mehr unter www.haydar-isik.com Haydar Isik wurde am 05.Juli 2007 verhaftet, weil er wegen seiner Sammlungen für Dersim verdächtigt wurde, bewaffnete Aktionen der PKK zu unterstützen, der Hauptstützpunkt Dersim sei.






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