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KURDEN und KURDISTAN   Drucken  E-mail 

Haydar Isik, Schriftsteller

                                     

Das Land Kurdistan erstreckt sich vom Berg Ararat im Norden bis zur Mesopotamischen Tiefebene im Süden, vom Urmiasee im Osten bis zum Taurusgebirge im Westen. Dieses Gebiet wird hauptsächlich von Kurden bewohnt, umfaßt eine Fläche von 550.000 qkm.

 

Die Kurden sind nach den Arabern und Türken das drittgrößte Volk im Mittleren Osten. Von etwa 40 Mill. Kurden leben aufgeteilt auf verschiedenen Staaten: Etwa 20 Mill. in der Türkei, 7 Mill. im Iran, 5 Mill. im Irak, 2 Mill. in Syrien, 0,5 Mill. in Armenien, Aserbaidschan.

Diese Situation ist eine Folge des I. Weltkrieges. Das Osmanische Reich hatte als Verbündete Deutschlands den Krieg verloren. Die Siegermächte ordneten die Region neu, das Osmanische reich wurde aufgeteilt. Diese Aufteilung orientierte sich nicht an den Bedürfnissen der von Osmanen unterdrückten Völker, sondern an den Interessen der Siegermächte, allen voran Großbritannien und Frankreich.

 

Seit dem Diktat des Vertrages von Lausanne (1923) ist Kurdistan unter vier Staaten aufgeteilt: Türkei, Iran, Irak und Syrien. Die letzteren Irak und Syrien wurden wegen Erdölinteressen als de facto Kolonien von Großbritannien neu geschaffen.

 

Die nationale Unterdrückung der folgenden Jahrzehnte und die gleichzeitige wirtschaftliche Ausbeutung und Nichtentwicklung des Landes trieb viele Kurden in die Metropolen der jeweiligen Zentralstaaten. Dort stellten die entwurzelten Kurden billige Arbeitskräfte. Viele Kurdinnen und Kurden nutzten die Zeit der Anwerbung von Arbeitskräften durch die Westeuropäischen Industriestaaten in den 60 er und 70 er Jahren, um die Türkei zu verlassen. So kommt es, dass heute etwa 1.000.000 Kurden als Arbeitsemigranten und Flüchtlinge  in Westeuropa leben, darunter 600.000 in Deutschland.

 

Die kurdische Sprache gehört der Indoeuropäische Sprachfamilie an, wohingegen das Türkische zur Ural-Altaischen Sprachfamilie gehört.

Die kurdische Sprache hat mehrere Dialekte: In Türkisch Kurdistan sprricht man Kurmanci und ein Teil spricht Zazaki auch als Dimilki bekannt, in den südlichen Teilen Kurdistans wird Sorani gesprochen. Die Mehrheit der Kurden benutzt Kurmanci.

Wegen den fehlenden staatlichen Einheit und der Unterdrückung konnte sich bisher keine einheitliche und verbindliche Hochsprache  herausbilden, wie wir es von den Nationalstaaten Europas kennen. Hinzu kommt, dass durch die entsprechende Aufteilung der Kurden auf verschiedene Staaten verschiedene Schriften benutzt werden: Latainisch in der Türkei und Syrien, arabisch in Irak und Iran, kyrillisch in den GUS-Republiken.

 

Die meistens Kurden sind Moslems, es gibt aber auch Aleviten,  Jeziden und Juden.

Bis zur islamischen Eroberung im 7.Jahrhundert waren die Kurden Anhänger der Lehre Zarathustras. Die Kurden wehrten sich heftig gegen die islamische Eroberung und widerstanden der Islamisierung fast 100 Jahre.

Die Mehrheit der Kurden gehören der Schafiitische Konfession an, die eine der vier sunnitischen Hauptströmungen ist.

Eine Minderheit gehört zu den Aleviten, einer weltoffenen, fortschrittlichen Richtung mit vorislamischen Elementen.

Die Kurden sind antifundamental und weltlich orientiert.

 

Kurdistan ist eigentlich ein reiches Land. Die relativ hohen Niederschläge und wasserreichen Berge erlauben Regenfeldbau und Viehzucht, weshalb die kurdische Regionen im Irak und der Türkei als dessen Kornkammer gelten. Die Türkei deckt einen Großteil ihres Fleischbedarfs aus Kurdistan. Über dies ist Kurdistan reich an Bodenschätzen: Erdöl, Kupfer, Eisenerze Phosphat, Blei, Crom und Silber.

 

Nicht zuletzt gewinnen die Oberläufe des Euphrat und Tigris, die das kurdische Siedlungsgebiet durchqueren, immer mehr an geopolitischer und wirtschaftlicher Bedeutung. Zum einen werden die Wasserläufe für die Gewinnung von Elektrizität genutzt, die allerdings in die Industriegebiete des jeweiligen Staates exportiert wird und damit nichts zu einer Industrialisierung  der Region beiträgt. Zum anderen nutzt die Türkei diese Wasserreservoirs, um politischen Druck auf die Nachbarländer Syrien und Irak auszuüben, deren Wirtschaft von beiden Flüssen abhängig ist.

Dies alles erklärt, wie Kurdistan geopolitisch so bedeutend ist.

 

Nach der Definition der Völkerrechtler Prof. Dr. Paech wird das Volk so beschrieben: "Die Menschengruppe, die identifizierbar auf einem bestimmten Territorium siedelt und aber gemeinsame sprachliche, kulturelle und historische Merkmale verfügt, ist zweifelsfrei als selbständiges Volk anzuerkennen."

Das heißt: Sprache, Territorium, Kultur, Religion, Tradition und historische Wurzeln werden als maßgebende Kriterien betrachtet. Nach diesen Kriterien sind die Kurden ein Volk.

 

Von den Staaten, die seit der Gründung der UNO Mitglieder sind, heißt es: Von den die Völkern, die das Recht auf staatliche Eigenständigkeit erreicht haben, zählen nur 10 mehr als 30 Millionen Einwohner. Über 90% zählen also weitaus weniger als das kurdische Volk. Die Bevölkerung vieler dieser Staaten ist ethnisch inhomogener als die Bevölkerung Kurdistans.

 

Die kurdische Geschichte reicht 5.000 Jahre zurück. Als Nachfahren der Meder bzw. der den Medern zugerechneten Stämme wie Guti und Kurti, werden sie zu den indoeuropäischen Völkern gezahlt.

 

Nach dem Zerfall des Medischen Reiches lebten die Kurden in ihren heutigen Siedlungsräumen in verschiedenen Fürstentümern. Sultan Saladin der Große, Kurde und Gründer der Ayyubiden-Dynastie, dem Lessing mit seinem "NATHAN der WEISE" ein literarische Denkmal gesetzt hat, eroberte 1187 Jerusalem von den Kreuzrittern zurück.

Während Bizans  von den Kreuzrittern geschwächt war und die Kurden voll gegen die Kreuzritter beschäftigt waren, kamen die Türken ungehindert nach Anatolien und brachen mit ihrer nomadischen Tradition und begründeten das Osmanischen Reich Anfang des 14. JHs.

 

1514 schlossen sich Sultan Selim und die kurdischen Fürsten unter dem Fürsten Idris Bitlisi zu einer Allianz gegen die Perser zusammen und besiegten Shah Ismail aus der Safavieden Dynastie.

Der Dank der osmanischen Sultane drückte sich in einer Autonomie für die Kurden aus und so konnten sie bis zum Ende des 18. JHs unbehelligt in verschiedenen Fürstentümern leben. Zwischen dem 15. und dem 17 Jahrhundert hatten Wohlstand und Kultur in Kurdistan ihren Höhepunkt.

 

Unter Mahmut II. wurden im 19.JH erste Versuch unternommen, die Staatsverwaltung zu modernisieren. Diese sogenannte Tanzimat Periode bedeutete die Zerstörung der kurdischen Autonomie.

Es begann die Zeit der kurdischen Aufstände.

 

1918 verlor das Osmanische Reich an der Seite Deutschlands  den I. Weltkrieg und teilte mit Österreich das Schicksal der territorialen Aufsplitterung. Großbritannien und Frankreich verleibten sich die größten  Stücke als sogenannte Mandatsgebiete in ihre Kolonialreiche ein. Großbritannien sicherte sich die Kontrolle über Erdölvorkommen von Mossul und Kirkuk in Kurdistan, Frankreich erhielt die Mittelmeerprovinz Kilikien.

 

Der Vertrag von Sevres von 1920 hatte für die Kurden die Autonomie  mit der Möglichkeit staatlicher Eigenständigkeit vorgesehen. Drei Jahre später erreichte Mustafa Kemal, der Atatürk, Vater aller Türken genannt, eine Revision dieses Vertrages.

Um sich ihre Unterstützung im sog. Freiheitskampf zu sichern, hatte Mustafa Kemal den Kurden Autonomie versprochen. Unter dem Motto "türkisch-kurdische Islambrüderschaft" wurden die ausländischen Besatzer aus Kurdistan und der Türkei vertrieben.

Von der im Vertrag von Sevres vorgesehenen Autonomie war in Lausanne 1923 keine Rede mehr.

 

Noch während der Unterzeichnung des Lausanner Abkommens sagte Ismet Inönü, der Chef der türkischen Delegation und spätere Ministerpräsident: " Die Türkei besteht aus Türken und Kurden".

 

Wenig später aber leugneten die neuen Herren der Türkei die Existenz des kurdischen Volkes.

Für die Kurden war nur ein Weg vorgesehen: Sie hatten sich zu unterwerfen und zu Türken zu werden.

So gab es fast über Nacht in der Türkei keine Kurden mehr. Sie wurden zu "Bergtürken" umbenannt. Die kurdischen Schulen wurden geschlossen, die kurdische Sprache verboten, Literatur und Publikationen in Kurdisch und über Kurden aus dem Verkehr gezogen. Auch ihre Nationaltracht durften die Kurden nicht mehr tragen. Während des Befreiungskampfes hatte Mustafa Kemal die kurdischen Abgeordneten noch aufgefordert, im Parlament in ihrer Nationaltracht zu erscheinen.

Durch Erlaß wurden Begriffe wie "Kurden und Kurdistan"aus den Wörterbüchern gestrichen. Zur Assimilierungspolitik des türkischen Staates gehörte eine fast vollständige Türkisierung geographischer Namen und Bezeichnungen, zum Beispiel wurde DERSIM in Tunceli umbenannt. Eltern durften ihren Kindern keine kurdischen Namen mehr geben, denn kurdische Namen galten als eine Beleidigung des türkischen Staates.

 

Folge dieser massiven Unterdrückung war eine Reihe von Aufständen, die mit brutaler Härte niedergeschlagen wurden. Hunderttausende Kurden kamen ums Leben.

Während des größten Aufstands 1936/38 in der Region Dersim starben 70.000 Menschen. Viele wurden auf bestialische Weise ermordet. Die Frauen begingen angesichts der Grausamkeit des türkischen Militärs in ihrer Verzweiflung Selbstmord. Zu dieser Zeit fand die größte Deportation von Kurden statt.

 

Ich kam während dieses Aufstandes zur Welt und nur dem selbstlosen Einsatz meiner Mutter ist es zu verdanken, dass ich noch am Leben bin.

Unter dem Titel

"Der Agha aus Dersim" und

„Die Vernichtung von Dersim“

veröffentlichte ich zwei Romane, die jeweils eine authentische Geschichte aus diesem Aufstand erzählt.

Die Bücher wurden kurz nach ihrer Erscheinen in der Türkei verboten; 1994 erschien Der Agha aus Dersim erstmals in deutscher Sprache. Dieses Buch ist vom Bayerischen Kultusministerium für die Bibliotheken der Realschulen und Gymnasien empfohlen.

Nach mehreren Veröffentlichungen, und freien Meinungsäußerung in Deutschland hauptsächlich zum Thema des Rassismus in der Türkei, wurde ich in der Zeit des Militärputsches 1982 von den türkischen Behörden ausgebürgert und meine Habe wurde versteigert.

 

Damals wie heute müssen die kurdischen Kinder in den Schulen der Türkei täglich den Eid auf das Türkentum und damit das Bekenntnis ablegen, dass sie glücklich sind Türken zu sein.

Noch immer will man aus Kurden Türken machen. Weil diese Türkisierung in Internaten straffer durchgeführt werden kann, werden kurdische Kinder bevorzugt in Internate gesteckt.

In den Schulen wird das Türkentum gepriesen und heroisch verklärt und die Aufgaben der anderen Völker darauf reduziert, den Türken zu dienen.

"Glücklich ist der, der sich Türke nennen kann."

"Ein Türke ist so groß wie das Universum."

Diese und ähnliche Parolen stehen mit riesigen Buchstaben an Berghängen überall in Kurdistan.

 

Andererseits diffamiert man die Kurden als Minderwertige und kulturlose Menschen.

Um diese türkische Kolonialpolitik zu kaschieren, werden sogar Professoren beauftragt, "wissenschaftlich" nachzuweisen, dass es keine Kurden gibt, diese vielmehr Türken, und zwar Bergtürken seien.

Die Argumentation sieht etwa so aus: "Die Bevölkerung Ost-und Südostanatoliens lebt in einer schneereichen Landschaft. Der Schnee bildet eine harte Oberfläche. Wenn man dann darauf geht, hört man die Laute `kart-kurt`

Deshalb haben sich die Leute nach diesem Laut genannt. Da sie in abgelegenen und unwegsamen Gebirgen leben, haben sie eine eigene Sprache entwickelt, die aber ist und bleibt ein türkischer Dialekt."

 

Ich möchte einige Ausdrücke als Beispiel vortragen, damit die LeserInnen selbst ein Bild bekommen:

KURDISCH   

Kurmanci Dialekt     Zazaki Dialekt               DEUTSCH                                       TÜRKISCH

Daye                           Ma                                    Mutter                                                anne

Stêr                             Astare                                 Stern                                                 yildiz

mêr                             mêr                                    Mann                                                 erkek

xwe                             sole                                    Salz                                                   tuz

ya                                ya                                       ja                                                       evet

bira                              bira                                    Bruder                                               kardes

naw                              name                                 Name                                                 isim

aw                                aw                                     Wasser(Au)                                       su

karin                            besekena                           können                                                yapabilmek

du                                du                                     du (2.Person Singl.)                             sen

erd                                hard                                  Erde                                                    toprak

Die kurdische Sprache ist mit dem Persischen verwandt und gehört der indoeuropäischen Sprachfamilie an, das Türkische hingegen gehört als Turksprache zur altaischen Sprachfamilie. Es ist genauso unsinnig, zu sagen, Kurdisch sei ein türkischer Dialekt, wie wenn man behaupten würde, Deutsch sei ein türkische Dialekt.

 

Die kurdische Gesellschaft ist noch immer eine halbfeudale Gesellschaft. Dies macht sich der türkische Staat zunutze. Der türkische Staat findet seine Verbündeten unter den kurdischen Großgrundbesitzern, die sich von dieser Kollaboration den Erhalt ihrer Privilegien und Macht erhoffen. So werden viele kurdische Bauernfamilien weiterhin in halbfeudaler Abhängigkeit und Ausbeutung gehalten.

 

Diese kompromißlose Unterdrückungspolitik der Türkei trägt die Schuld an der heutigen Situation. Den Kurden blieb, wollten sie Kurden bleiben, nur der eine Weg: Sich zu wehren.

Als nach dem Militärputsch von 1980 die Repression immer stärker wurde, blieb den Kurden keine Alternative mehr zum bewaffneten Kampf, den die PKK 1984 mit verschiedenen Guerillaaktionen begonnen hat.

 

Ursprüngliches Ziel der PKK war der Kampf für kurdische Unabhängigkeit. Hiervon rückte sie 1995  ab und plädierte für eine demokratische Föderation innerhalb der Grenzen der Türkei.

Die PKK ist mittlerweile zum Symbol der kurdischen Freiheitsbewegung in der Türkei geworden. Nach verschiedenen Schätzungen sympathisieren 60-70% der kurdischen Bevölkerung mit der PKK und unterstützen sie.

 

Die PKK hat mehrere male einseitigen Waffenstillstand erklärt, um die türkischen Regierungen zu Verhandlungen zu bewegen. Obwohl die PKK diese Waffenstillstände penibel einhielt, verstärkte die Türkei ihre militärischen Vernichtungsoperationen.

 

Inzwischen sind über 4000 kurdische Siedlungen zerstört und dem Erdboden gleich gemacht worden. Wälder wurden in Brand gesetzt, Viehherden abgeschlachtet, die an sich schon erbärmlichen Lebensgrundlagen der Kurden zerstört. Über 4 Mill. wurden bis heute vertrieben.

 

Während dieses Krieges hat die Türkei 15 Jahre lang die Endlösung der Kurdenfrage angekündigt und setzte einen Termin für die Zerschlagung der PKK. Trotz der Unterstützung der Natoländer gelingt es der Türkei nicht, die PKK zu besiegen.

 

Aber die Verbündeten der Türkei haben doch vor 3 Jahren den Erfolg erzielt, als sie auf die menschenverachtende Weise den Vorsitzenden der PKK in Kenia festnahmen und der Türkei gaben. Als Öcalan nach Europa kam, um eine politische Lösung der Kurdenfrage einzuleiten, schlugen die europäischen Staaten die Türen zu und verweigerten ihm politisches Asyl. Heute fordern dieselben Staaten und ihre Politiker zynisch, dass die Türkei ihn nicht aufhängen soll.

 

 

Ich möchte hier kurz darlegen, dass das Recht auf Selbstbestimmung des kurdischen Volkes, für das die PKK eintritt, ein grundlegendes Recht und Prinzip im internationalen Völkerrecht ist und zeigen, dass gemäß den Grundsätzen der Vereinten Nationen das kurdische Volk das Recht hat, seine Freiheit und Unabhängigkeit notfalls auch mit Waffengewalt zu erkämpfen.

 

Mit einer Reihe von Resolutionen bestimmte die UN-Generalversammlung die Gewaltanwendung im bewaffneten Kampf:

"Der Kampf der Völker unter kolonialer und Fremdherrschaft und rassistischen Regimen für die Durchsetzung ihres Rechts auf Selbstbestimmung und Unabhängigkeit ist legitim und in voller Übereinstimmung mit den Prinzipien des Völkerrechts. Jeder Versuch, den Kampf gegen Kolonial-und Fremdherrschaft und rassistische Regime zu unterdrücken, ist unvereinbar mit der Charta der Vereinten Nationen, mit der Erklärung über die Prinzipien" des Völkerrechts, über die freundschaftlichen Beziehungen und die Zusammenarbeit zwischen Staaten in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen, der allgemeingültigen Erklärung der Menschenrechte und Erklärung über die Gewährung der Unabhängigkeit der Kolonialländer und Völker und stellt eine Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit dar."

 

Auf die Türkei angewendet läßt diese Resolution nur den Schluß zu, dass die kolonialistische und rassistische Politik der Türkei eine Bedrohung des internationalen Friedens und Sicherheit darstellt.

 

Außerdem machen sich andere Länder mitschuldig, wenn sie den Verbrechen, die der türkische Staat täglich begeht, schweigend zusehen, und mehr noch durch ihre aktive politische, finanzielle und logistische Hilfe, die sie der Türkei in ihrem Krieg gegen das kurdische Volk leisten.

 

 

In Artikel I der Charta der Vereinten Nationen findet sich der Grundsatz der Gleichberechtigung der Völker.

In der Resolution 1514 erklärte die UNO-Generalversammlung  im Jahre 1960.

"Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung: Kraft dieses Rechts bestimmen sie frei ihre politische Gestalt und streben frei nach wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Entwicklung."

 

Weiter wird gesagt: "Alle bewaffneten Aktionen und Unterdrückungsmaßnahmen gleich welcher Art gegen abhängige Völker sind einzustellen, um ihnen die friedliche und freie Verwirklichung ihres Rechts auf volle Unabhängigkeit zu ermöglichen."

 

Mit anderen Worten: Der türkische Staat mißachtet eines der grundlegenden Prinzipien der internationalen Staatengemeinschaft.

 

Ein weiterer Schritt wurde dann in der "Prinzipiendekleration" von 1970 getan. Darin heißt es:

"Auf Grund des in der Charta der Vereinten Nationen verankerten Grundsatzes der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung der Völker haben alle Völker das Recht, frei und ohne Einwirkung von außen über ihren politischen Status zu entscheiden und ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung zu gestalten, und jeder Staat ist verpflichtet, dieses Recht im Einklang mit den Bestimmungen der Charta zu achten."

 

Diese Auffassung hat die UNO inzwischen in mehr als 50 Resolutionen explizit bestätigt.

Ähnlich machte der internationale Gerichtshof in mehreren Entscheidungen die verbindliche Geltung des Selbstbestimmungsrechts als Gewohnheitsrecht deutlich (Prof.Paech)

 

Diese Auffassung findet sich auch in den KSZE-Akten von 1975 und 1989 wieder. Darin heißt es u.a, dass

"alle Völker jederzeit das Recht haben in voller Freiheit, wann und wie sie es wünschen, ihren inneren und äußeren politischen Status ohne äußere  Einwirkung zu bestimmen und ihre politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung nach eigenen Wünschen zu bestimmen."

 

Das heute geltende Völkerrecht kennt drei Möglichkeiten der Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts:

1.        Gründung eines souveränen und unabhängigen Staates (Algerien 1962)

2.        Vereinigung oder Eingliederung in einen unabhängigen Statt (BRD und DDR 1990)

3.        Entstehen eines anderen politischen Status

Zum Beispiel: Spanien mit Autonomie Rechte der Catalonen und Basken

ein anderes Beispiel ist Südtirol, das auf Druck von Österreich eine Autonomieregelung erhielt.

Hier gibt es noch ein anderes Beispiel für den politischen Selbstbestimmungs-Föderalismus: Belgien

 

Die kurdische Seite, die PKK hat seit 1999 die Kampfhandlungen einseitig beendet und ihre Guerilleros aus den Grenzen der Türkei gezogen. Und sie hat mit einer Strategieänderung seit drei Jahren auf Gewalt als Mittel der Politik verzichtet und ihren Kampf auf den zivilem und politischem Wege geführt.

 

Ich begrüße diese Haltung der PKK, dass sie die Gewalt beendet hat. Außerdem hat die PKK im Januar dieses Jahres jegliche Aktivitäten unter dem Namen PKK innerhalb der Grenzen der Türkei und EU eingestellt, um eine politische Lösüng zu ermöglichen.

 

Aber die Türkei tut so, alsob sie die kurdische Frage gelöst hat. Die Repression des türkischen Staates gegen Kurden und andersdenkenden geht in voller Härte weiter. Obwohl der Türkei der EU-Kandidatenstatus in Helsinki gegeben wurde, und  sie auf dem Weg der EU Reformen gefordert ist, hat sie in Bezug auf Menschenrechte und Demokratie und Anerkennung der kurdischen Identität keinen  Schritt gemacht. In ihrem Nationalprogramm, welches sie der EU vorgelegt hatte, hat sie kein Wort über Kurden und Kurdisch verloren.

*Der Ausnahmezustand in kurdischen Regionen geht weiter

*Militärische Operationen gehen weiter

*Die Repression auf die Kurdenpartei HADEP wurde erhöht

*Die kurdischen Studentinnen und Schüler, die von den Behörden Kurdisch Unterricht fordern, werden bestraft.

*Da jeder weiß, dass die Kurden sich mit Öcalan identizifieren, hält die Türkei seine Isolation auf der Insel  

   Imralli fest.

*Zwar hat die Türkei vor kurzem einen Versuch unternommen, um ihre Verfassung der EU an zunähern und sie

   in 30 Punkten geändert. Als Fortschritt hat sie den Artikel, der die kurdische Sprache verboten hat, von ihrer

   Verfassung aufgehoben. Aber am gleichen Tag wurde ein Buch von einem kurdischen Autor in der Druckerei

   beschlagnahmt. Später erklärte der Ministerpräsident, sie wären niemals dulden, dass das Kurdisch in der

   Türkei als Unterrichtssprache wird. Das heißt, was die Türkei macht, ist nur getürkt und ein wahre Show.

*Es gibt für 20 Millionen Kurden in der Türkei 45 Minuten Fernseh-Sendung im Kurdisch, und wird mal nicht

   erlaubt, einen Antrag um Kurdisch zu erlernen zu stellen. Deshalb wurden viele kurdische Jugendliche und

   ihre Eltern eingespert.

·         Die Folter ist immer noch an der  Tagesordnung

·         Nur innerhalb eines Jahres wurden in den Gefängnissen nahezu Hundert Leute umgebracht.

 

Ich wünsche mir, dass die demokratischen Organisationen sich dafür einsetzen, dass das kurdische Volk zu seinen Rechten kommt. Ich begrüße eine Lösung, welche dem kurdischen Volk weitgehende politische  und kulturelle Autonomie gewährt.

Da die Kurden in der Türkei nicht als eine Minderheit zu reduzieren sind, dass sie ein großes Volk sind und eigene Minderheiten in Kurdistan haben, haben sie das Recht auf Selbstbestimmung.

Aber man darf die Realität nicht aus den Augen verlieren, weil eine Spaltung von der Türkei weder im Interesse der NATO noch USA und Israel ist.

Es ist mir klar, dass das Leid der Kurden  nur mit der Unabhängigkeit ein Ende finden kann, trotzdem  wird eine Lösung wie in Belgien oder Spanien den Frieden in die Region bringen.

Die PKK jetzt KONGRA GEL fordert innerhalb des staatlichen Verbands der Türkei die Anerkennung der kurdischen Identität. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Türkei ihre staatlichen Strukturen an die EU Staaten anpaßt, und die Kopenhagener politischen Kriterien voll erfüllt.

Nur in diesem Fall wird die Türkei als ein demokratisches Land angesehen.

 

Wenn die Kurden innerhalb der Grenzen der Türkei durch eine territoriale und kulturelle Autonomie das Kollektivrecht ihres Volkes erhalten würden, und wenn die Türkei sich demokratisieren würde und sich föderativ konstituieren könnte, würde dies selbstverständlich die autonomen kurdischen Provinzen  an sich binden und damit den Weg für eine Spaltung für alle Zeit beenden.

Eine allgemeine demokratische Umgestaltung der Türkei würde auch die Lebensbedingungen der Türken verbessern.

Deshalb fordert das kurdische Volk,

*die Verfassungsmäßige Anerkennung der kurdischen Identität

*das Recht auf muttersprachlichen Unterricht in den Schulen

*Abschaffung des Ausnahmezustandes und Beendigung der Menschenrechtsverletzungen in Kurdistan

*wirtschaftliche Entwicklung des Landes und Garantie für Rückkehr der Flüchtlinge

 

Die europäischen Staaten bzw die Bundesrepublik Deutschland stellen dieser Türkei nicht nur Waffen zur Verfügung sondern gewähren ihr finanzielle und politische Unterstützung. Sie stützen das moralische Rückgrat eines schmutzigen Krieges. Wenn sie tatsächlich an einer friedlichen Lösung der Kurden Frage interessiert wären, wenn ihnen das Ende des Blutvergießens in Kurdistan am Herzen liegen würde, dann müsste folgende Maßnahmen sofort eingeleitet werden.

*Alle Waffenlieferungen an die Türkei einstellen

*den Kriegstreibern der Türkei alle finanziellen Leistungen entziehen

*politischen und wirtschaftlichen Druck auf die Türkei ausüben, damit die Türkei sich für eine politische Lösung

  mit den Kurden entscheidet und den Weg zu Verhandlungen findet.

 

Eine politische Lösung in Kurdistan wäre auch ein Gewinn für die Demokratie in Europa bzw in Deutschland.

Deshalb sollten Europäer, Kurden Türken sich gemeinsam für eine politische, gerechte und menschliche Lösung einsetzen. Dieser gemeinsame Kampf für Demokratie wäre für mich ein praktischer und wirklicher Schritt zur Völkerverständigung.

 

Nachdem ich euch einen Einblick in unsere Probleme gegeben habe, möchte ich sie herzlich darum bitten, Solidarität mit uns Kurden zu zeigen. Die Kurden brauchen in dieser Zeit eure Hilfe und die menschliche Wärme.

 

Die Zitate wurden von Prof. Dr. Norman Paech, Völkerrechtler, Uni Hamburg aufgenommen.







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